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Handschlag mit dem Teufel. Die Mitschuld der Weltgemeinschaft am Völkermord in Ruanda

Roméo Dallaire

 

1994, ein UNO-General kämpft verzweifelt gegen den drohenden Völkermord. Aus Europa kommen Waffen für die Täter. Die UNO verbietet den Blauhelmen zu helfen: Der schnellste Völkermord unserer Zeitgeschichte beginnt. Der Westen schaut zu.

„Nur einem Blinden oder einem Analphabeten hätte entgehen können, was in Ruanda geschah„, sagt der Generalmajor und Kommandeur der Blauhelmtruppe in Ruanda, Roméo Dallaire nach seiner Rückkehr. Er ist, so der Cap-Anamur-Gründer Rupert Neudeck, der glaubwürdigste Zeuge des schnellsten Völkermords der Zeitgeschichte. Sechs Jahre danach wurde eine Volkszählung durchgeführt, bei der über 950.000 Opfer ermittelt wurden. In der Regel wurden die Menschen mit der Machete zerhackt, weil Kugeln zu wertvoll für sie waren. Die westliche Welt erlebte zwischen April und Juli 1994 ihre schwärzeste Stunde nach 1945. Sie will das bis heute nicht wahrhaben.

In nur 100 Tagen wurden über 800.000 ruandische Männer, Frauen und Kinder brutal abgeschlachtet, während sich die reichen Länder gleichgültig und anscheinend ungerührt zurücklehnten und der sich vollziehenden Apokalypse zuschauten oder schlicht auf ein anderes Programm umschalteten“ (Dallaire).

Rupert Neudeck empfahl Dallaire für den Friedensnobelpreis: Gegen den Befehl der UN-Zentrale in New York zum Nichtstun, Abwarten und Zuschauen und gegen die UN-Anweisung vom 22. April, sämtliche Blauhelme abzuziehen, hielten Dallaire und seine kleine Truppe von 250 Ghanaern aus. Ihre Selbstlosigkeit und Tapferkeit konnten die furchtbaren Ereignisse jedoch nicht aufhalten.

Im September 1994 flog Dallaire zurück nach Kanada - zutiefst erschüttert, gebrochen, dem Selbstmord nahe.

„Nach meiner Rückkehr aus Ruanda fragte mich ein kanadischer Armeegeistlicher, wie ich nach allem, was ich gesehen und gehört hatte, weiterhin an Gott glauben könne. Ich weiß, dass es einen Gott gibt, antwortete ich ihm, weil ich in Ruanda dem Teufel die Hand geschüttelt habe. Ich habe ihn gesehen, gerochen und berührt. Ich weiß, dass es den Teufel gibt, und deshalb weiß ich, dass es einen Gott gibt“ (Dallaire).

„Handschlag mit dem Teufel“, sagt Dallaire, „ist die Geschichte der Ereignisse in Ruanda 1994. Es ist die Geschichte des Verrats, des Scheiterns, der Naivität, der Gleichgültigkeit und des Hasses, des Völkermords, des Krieges, der Unmenschlichkeit, des Bösen.“

    
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