Die Lord’s Resistance Army (LRA) ist eine im Jahr 1987 gegründete Rebellengruppe. Sie handelt von Basen im Süden Sudans aus und ist vor allem im Norden Ugandas in der Region Acholiland aktiv.
Die LRA wird von Joseph Kony, einem selbsternannten spirituellen Medium, geführt. Er behauptet, er habe den Auftrag, die LRA zu gründen, direkt vom Heiligen Geist erhalten, mit dem Ziel, das ugandische Volk von Korruption, Sünde und unmoralischem Denken zu befreien. Während Konys politische Ziele unklar bleiben, will er angeblich eine auf den Zehn Geboten basierende ugandische Theokratie errichten.
Die LRA ist zwar nicht in der Lage, die ugandische Regierung zu destabilisieren. Sie hat jedoch während über 18 Jahren die Zivilbevölkerung im Norden Ugandas terrorisiert. Die LRA hat ihren Ursprung in einem Aufstand des Acholi-Volkes gegen den Südugander Yoweri Museveni zu der Zeit, als dieser 1986 den damaligen Präsidenten Okello aus dem Amt putschte. Kony wurde jedoch nicht lange von den Acholi unterstützt und musste sich bald auf sudanesisches Territorium zurückziehen. Weil er sich von seinen eigenen Leuten verraten fühlte, wurden in der Folge die meisten Angriffe der LRA gegen die Zivilbevölkerung der Acholi gerichtet.
Das Hauptmerkmal der LRA ist der Umstand, dass sie zu 85% aus Kindern zwischen 11 und 15 Jahren besteht. Um ihre Reihen zu füllen, entführt die LRA systematisch Kinder und setzt sie als Soldaten, Träger oder Sexsklaven ein. Nach Schätzungen wurden um die 20'000 Kinder entführt. Um jede Hoffnung zu zerstören, eines Tages wieder nach Hause zurückkehren zu können, werden die Kinder häufig gezwungen, ihre eigenen Eltern zu ermorden. Zur Abschreckung vor einer Flucht werden die Kinder gezwungen, jene zu töten, die versuchten zu entkommen.
Die LRA ist für massive Verbrechen gegenüber der Zivilbevölkerung verantwortlich. Zehntausende Zivilisten wurden umgebracht, und viele weitere starben wegen Hunger oder Krankheit, die als Folge des Konflikts auftraten.
Die LRA-Soldaten sind dafür berüchtigt, angebliche Regierungs-Kollaborateure zu vestümmeln, indem sie ihnen die Hände, Lippen oder Ohren abschneiden. Als Resultat der Plünderungen und Zerstörungen von ganzen Dörfern haben bis zu drei Viertel aller Acholi ihr Zuhause verlassen müssen.
Einige Beobachter gehen davon aus, dass die sudanesische Regierung die LRA unterstützt habe, da Uganda angeblich die Sudan People’s Liberation Army (SPLA), eine Rebellengruppe, welche gegen die sudanesische Regierung kämpft, unterstützt habe. In einem bilateralen Übereinkommen haben die beiden Regierungen 1999 jedoch vereinbart, die Rebellengruppen nicht mehr zu unterstützen.
Auf ein anderes bilaterales Abkommen gestützt, darf die ugandische Regierung LRA-Rebellen auf sudanesischem Boden verfolgen, jedoch nur bis zu einer „roten Linie“, die durch eine Überlandstrasse ca. 100 Km im Landesinneren markiert ist.
Am 10. Oktober 2005 hat die ugandische Regierung jedoch erklärt, sie habe vom Sudan grünes Licht erhalten, während eines Monats die LRA überall jenseits der Grenzen verfolgen zu dürfen.
Strafverfolgung oder Amnestie?
Viele NGOs weisen – angeblich im Namen der Opfer – die Bestrebungen des ICC, Joseph Kony anzuklagen, zurück. Die Begründung: Nur durch eine umfassende Amnestie könne es zu Frieden in Uganda kommen. Die Verfolgung durch den ICC (der an keine nationale Amnestie gebunden ist), führe zu einer Verlängerung des Konflikts, da die LRA (Lord’s Resistance Army) noch unbarmherziger kämpfen und nicht mehr zu Friedensverhandlungen bereit sein werde.
Andere NGOs sind der Meinung, dass die internationale Aufmerksamkeit dazu geführt habe, dass der Sudan die LRA nicht mehr unterstütze. Durch die Untersuchungseröffnung des ICC werde grosser Druck auf beide Seiten ausgeübt, der bereits zu Friedensverhandlungen geführt habe.
Eine Untersuchung des International Center for Transitional Justice vom Juli 2005, für die 2’585 Bewohner aus dem Norden Ugandas befragt wurden, kommt zu dem Schluss: die Menschen haben der LRA-Milizen gegenüber zwiespältige Gefühle, grösstenteils weil in ihren Reihen auch die eigenen Kinder kämpfen. Daher will mehr als die Hälfte der Befragten die einfachen Mitglieder der LRA nicht strafrechtlich zur Verantwortung ziehen. Anders ist die Einstellung gegenüber den Führern: Drei Viertel der Befragten sind der Meinung, dass die Führer zur Verantwortung gezogen werden sollten. Auch für eine Bestrafung gibt es eine breite Mehrheit: auf die Frage, was mit diesen Führern geschehen sollte, bejahten zwei Drittel eine Bestrafung, nur knapp ein Viertel wollte ihnen die Schuld erlassen, wie es klassische Amnestielösungen vorsähen. 84% der Befragten meinten, dass die internationale Gemeinschaft miteinbezogen werden sollte. Ein großer Teil will die internationale Gemeinschaft sogar als Hauptakteur im Bestreben um Gerechtigkeit in Norduganda sehen.
Auf die Frage, ob der Friedensprozess mit einer Amnestie oder mit Strafverfahren einhergehen solle, sprach sich eine knappe Mehrheit von 53% für den Frieden bei rechtsstaatlicher Verfolgung der Verbrechen aus.
Zusammenfassend lässt sich sagen: entgegen der Meinung vieler NGOs schliessen sich Frieden und Gerechtigkeit in den Augen der Bevölkerung Nordugandas nicht aus. Es wird als sehr wichtig angesehen, die LRA-Führer zur Verantwortung zu ziehen. |