  |  |  |  | Slobodan Praljak |  | | Kontext : | Ex-Jugoslawien  | | Urteilsort : | IStGJ (Jugoslawien)  | | Status : | Laufender Prozess | | Statusbeschreibung : | Stellte sich freiwillig am 5. April 2004; Prozess begann am 26. April 2006 | |
|  | |  | Slobodan Praljak wurde am 1. oder 2. Januar 1945 in Capljina, einer Stadt in Bosnien-Herzegowina, geboren. Nach seinem Studium in Zagreb arbeitete er als Theater-, Film- und TV-Produzent und Dozent für Philosophie und Soziologie. Im Frühsommer 1991 trat er der Armee der Republik Kroatien bei und hatte am 3. April 1992 bereits den Rang eines Generalmajors der kroatischen Armee inne. Um den 14. März 1992 herum wurde er zum Assistenz-Verteidigungsminister der Republik Kroatien ernannt. Am 10. September 1992 wurde er zu einem der 14 Mitglieder des Nationalen Verteidigungsrates der Republik Kroatien gewählt. Diese Position verblieb ihm mindestens bis zum 15. Juni 1993. Am 13. Mai 1993 wurde Slobodan Praljak in die staatliche Kommission der Republik Kroatien für Beziehungen mit der UN-Schutztruppe (UNPROFOR) berufen.
Gemäss der Anklageschrift soll Slobodan Praljak zwischen dem 18. November 1991 (oder früher) und ungefähr April 1994 an einem gemeinsamen kriminellen Unternehmen teilgenommen haben, welches zum Ziel hatte, bosnische Muslime und andere nicht-kroatische Einwohner des heutigen Bosnien-Herzegowina politisch und militärisch zu unterwerfen. Es soll in diesem Zusammenhang beabsichtigt worden sein, diese Gebiete über kurz oder lang zu einem « Gross-Kroatien » zusammenzuschliessen. Dazu sollen Zwang, Furchterregung oder Androhung von Zwang, Verfolgung, Gefangennahme und Inhaftierung, Zwangsumsiedlungen und Deportationen, Zwangsenteignungen und Zerstörung von Eigentum, ebenso wie weitere Mittel, eingesetzt worden sein.
Dieselbe Anklageschrift wirft Praljak vor, er habe ab Mai 1992 an ethnischen Säuberungen in der Stadt und Region von Prozor, in der Gemeinde Gorjni Vakif, den Städten Sovici und Doljani und in der Gemeinde Mostar teilgenommen, welche mittels Angriffen auf bosnische Muslime, mittels Plünderung, In-Brand-Setzung und Zerstörung von Häusern bosnischer Muslime und anderer Gebäude, mittels Festnahme und Inhaftierung zahlreicher bosnischer Muslime und gegen sie gerichteter grausamer Behandlung, sexueller Gewalt, Tötungen und anderer Formen der Verfolgung ausgeführt worden seien.
Der HVO benutzte zwischen September 1992 und April 1994 das Lager Heliodrom, südlich von Mostar, als Gefangenenlager zur Inhaftierung von bosnischen Muslimen aus Mostar. Die Anzahl Lagerinsassen betrug im Durchschnitt mehrere Tausend Personen, wobei geschätzt wird, dass bis maximal 6000 Gefangene gleichzeitig festgehalten wurden. Die Haftbedingungen im Konzentrationslager Heliodrom waren unmenschlich. Auch die Lager Fojno und Ljubuski, nördlich von Mostar, wurden für die Inhaftierung von bosnischen Muslimen verwendet. Die Gefangenen wurden oft besonders schweren Misshandlungen unterworfen und, bis zu ihrer Deportation zwischen April 1993 und März 1994, für Zwangsarbeit eingesetzt.
In den Gemeinden Stolac und Capljina wurden im Jahr 1993 die meisten männlichen bosnischen Muslime verhaftet und unter grausamen Bedingungen festgehalten, teilweise auch getötet. Der HVO vertrieb systematisch bosnisch-muslimische Frauen, Kinder und ältere Personen aus ihrer Heimat und zerstörte ihre Häuser.
Von April bis September 1993 benutzte der HVO das Militärgefängnis des Distrikts Dretelj zur Inhaftierung von serbischen Gefangenen und ungefähr 2700 bosnischen Muslimen. Die Gefangenen wurden geschlagen und waren grausamer Behandlung ausgesetzt, was zu schweren Verletzungen und Todesfällen führte. Im Zeitraum vom 8. Juni 1993 bis April 1994 wurde auch das Militärgefängnis des Distrikts Gabela in derselben Weise genutzt. Dort wurden jeweils bis zu 1200 männliche Muslime – Zivilisten und Armeeangehörige, teilweise jünger als 16 oder älter als 60 Jahre alt – festgehalten. Auch hier waren Schläge und grausame Behandlung an der Tagesordnung, was ebenfalls zu schweren Verletzungen und Todesfällen führte. Ein grosser Teil der im Gefängnis von Gabela inhaftierten bosnischen Muslime wurden durch den HVO in andere Länder deportiert. In der Gemeinde Vares wurden zwei Schulen als Haftanstalten eingesetzt, wo bosnische Muslime unter ähnlichen Bedingungen festgehalten wurden.
Slobodan Praljak stellte sich am 5. April 2004 freiwillig dem Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien (ICTY). |  | mehr... |  | Trial Watch möchte daran erinnern, dass jede von nationalen oder internationalen Behörden verfolgte oder angeklagte Person solange als unschuldig zu gelten hat, bis ein rechtskräftiger Schuldspruch vorliegt. |  |  |  | | Nationalität : | | | Bosnia and herzegovina |  | | Geburtsdatum : | | | 02.01.1945 |  | | Alias : | | | Brada |  | | Zeitspanne der Fakten : | | | 18.11.1991 - 04.1994 |  | | Urteilperiode : | | | 26.04.2006 |  | | Kategorien : | | | Andere Kriegsverbrechen Verbrechen gegen die Menschlichkeit |  | | Letzte Änderung des Profils : | | | 14.12.2009 |
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