   |  |  |  | Callixte Kalimanzira |  | | Kontext : | Ruanda  | | Urteilsort : | IStGR (Ruanda)  | | Status : | Laufender Prozess | | Statusbeschreibung : | Prozessbeginn vor dem IStGR am 5. Mai 2008; am 22. Juni 2009 zu 30 Jahren Haft verurteilt; eine Berufung wurde einlegt | | Funktion : | Innenminister der Interimsregierung | |
|  | |  | Callixte Kalimanzira wurde 1953 in der Gemeinde Muganza, Präfektur Butare, Ruanda geboren. Als enger Verbündeter von Interimspräsident Sindikubwabo und Premierminister Jean Kambanda (siehe "verbindungen") bekleidete er mehrere wichtige Positionen in der Verwaltung. Kalimanzira war zuerst Unterpräfekt von Butare und Byumba, daraufhin Koordinator der Landwirtschaftsdienste der Präfektur Kigali, Direktor der Sektion „Landwirtschaftliche Entwicklung“ der Präsidentschaft der Republik, im Anschluss Generalsekretär des Innenministers, bis er schliesslich Innenminister wurde.
Vom 6. April bis 25. Mai 1994 übte er in Abwesenheit von Innenminister Faustin Munyazesa das Amt des Innenministers aus. Kalimanzira war im übrigen prominentes Mitglied der Präsidentschaftspartei MRND (Republikanisch-Nationalistischen Bewegung für Demokratie und Entwicklung).
In Ausübung dieser Ämter hatte Kalimanzira de jure und de facto Kontrolle über Bürgermeister, Abteilungsberater, Distriktverantwortliche, das Verwaltungspersonal, die Gendarmen, Gemeindepolizeiagenten, die Interahamwe (extremistische Hutu-Miliz) sowie die Zivilbevölkerung.
Zwischen Ende März und Mai 1994 soll Kalimanzira die Bevölkerung wiederholt an verschiedenen Orten dazu angespornt haben, Tutsis anlässlich öffentlicher Versammlungen umzubringen. So wurde Ende März 1994 durch Lokalbehörden in Nyamigango (Distrikt Gisagara, Gemeinde Ndora) eine Versammlung abgehalten. Bei jenem Anlass soll Kalimanzira die Bevölkerung dazu aufgehetzt haben, sich zu bewaffnen, um sich auf die Bekämpfung „des Feindes“ vorzubereiten. Er soll ebenfalls versprochen haben, der Bevölkerung Feuerwaffen zu beschaffen. Im Mai 1994 soll Kalimanzira auf dem Fussballfeld der Gemeinde Muganza unter Beisein des Bürgermeisters von Muganza, Bimenyimana Chrysologue, sowie des Präfekten von Butare, Alphonse Nteziryayo (siehe „Verbindungen“) die Anwesenden im Pfeilschiessen unterrichtet haben. Die Leute, welche unter seiner Aufsicht in die Benutzung von Waffen eingeführt wurden, beteiligten sich in der Folge an den Massakern von Tutsis in jener Region.
Zwischen April und Mitte Juli 1994 soll sich Kalimanzira mehrere Male gemeinsam mit anderen Leadern der Interimsregierung in die Präfektur Butare begeben haben, um die Bevölkerung für die Politik der Regierung zu sensibilisieren und zum Massakrieren der Tutsis aufzuhetzen. Am 19. April soll er ebenfalls an einem Treffen der Interimsregierung in Butare dabeigewesen sein, anlässlich dessen ranghohe Anführer hetzerische Reden gegen die Tutsis hielten, wobei Kalimanzira gegenüber diesen Tiraden keinerlei Missbilligung zeigte.
Von Mitte April bis Juni 1994 soll Kalimanzira die Bevölkerung dazu aufgerufen haben, Strassensperren zu errichten, um die Identität der Passanten zu kontrollieren und die Tutsis zu vernichten. Er soll oft persönlich an den Strassensperren anwesend gewesen sein und die Massaker an den Tutsis überwacht haben. So soll er wiederholt an verschiedenen Strassensperren (darunter jene, welche an der Grenze der Distrikte Muganza/Remera und an der Kreuzung Krarambogo situiert war), kontrolliert haben, dass jedermann eine Waffe trug, um die Tutsis zu töten. Er soll gleichfalls nicht gezögert haben, jene, welche keine hatten, zu belästigen und ihnen mit schweren Sanktionen zu drohen.
Im April 1994 soll Kalimanzira mehrmals und an verschiedenen Orten Waffen für die Tötung von Tutsis geliefert haben. So soll er beispielsweise regelmässig das Lager an Hieb-, Stich- und Stosswaffen des Gemeindebüros Muganza aufgefüllt haben, von wo aus Waffen unter seiner Aufsicht an die Bevölkerung verteilt wurden.
Um den 23. April 1994 herum versammelten sich Tausende von Tutsi-Zivilisten auf dem Hügel Kabuye, welcher im Distrikt Kisagara, Gemeinde Ndora gelegen ist. Kalimanzira soll sie dazu ermuntert haben, dorthin zu flüchten und soll ihnen versprochen haben, dass sie dort Lebensmittel erhalten würden. Unter Kalimanziras Kenntnis und Beisein wurden sie daraufhin durch Hutus angegriffen und massakriert. Er selbst soll sogar Verstärkung durch Gemeindepolizisten und Militärs holen gegangen sein, um den Angriff unter seiner Aufsicht zu unterstützen. Dabei wurden Tausende von Tutsis massakriert.
Gegen Ende April sollen Hunderte von Tutsis, die Mehrzahl von ihnen schwerverletzt, durch Kalimanzira in Richtung einer Strassensperre geleitet worden sein, welche sich über dem Fluss von Buzana an der Grenze der Gemeinden Ngoma und Nyaruhengeri befand. Begleitet von Oberst Tharcisse Muvunyi (siehe „Verbindungen“) und Oberst Alphonse Nteziryayo sowie einer Militäreskorte soll Kalimanzira bestimmt haben, dass jene Tutsis, welche nicht mehr die Kraft besassen weiterzuziehen, direkt bei der Strassensperre zu vernichten und er soll befohlen haben, die anderen einige Kilometer weiter in Mwirango zu exekutieren. Er persönlich soll Tutsis zu Tode geschlagen haben.
Anfang Mai 1994, soll sich Kalimanzira an einer Strassensperre im Distrikt Kbilizi an die anwesenden Personen gewendet haben, um ihnen zu gebieten, sich in ihrer Jagd gegen die Tutsis diskret zu verhalten, gleichzeitig jedoch ebenfalls die Häuser der Tutsis vollständig zu zerstören und Bananenbäume auf dem Gebiet zu pflanzen, um so keinerlei Spuren zu hinterlassen. Ebenfalls solle den Tutsis weissgemacht werden, der Frieden sei zurückgekehrt, um sie so aus ihren Verstecken zu locken und zu töten.
Um den 5. Juni 1994 soll sich Kalimanzira mit Oberst Muvunyi und Soldaten ins Zentrum von Gasagara (Distrikt Muganza) begeben haben. Dort soll er die Bewohner dazu aufgerufen haben, sämtliche Tutsis zu vernichten, einschliesslich derer, welche sich „noch im Bauch ihrer Mutter befänden“. Später soll er im Gemeindebüro von Gikondo die Bevölkerung dazu aufgefordert haben, alle noch lebenden Tutsis zu ermorden. In Folge jener Anordnung wurden 2 Greisinnen, 8 junge Mädchen sowie ein Dutzend Kinder ermordet.
Am 8. November 2005 stellte sich Kalimanzira freiwillig dem Internationalen Strafgerichtshof für Ruande (ICTR) in Arusha, Tansania. |  | mehr... |  | Trial Watch möchte daran erinnern, dass jede von nationalen oder internationalen Behörden verfolgte oder angeklagte Person solange als unschuldig zu gelten hat, bis ein rechtskräftiger Schuldspruch vorliegt. |  |  |  | | Letztes mal Gesehen : | | | Arusha, Tansania |  | | Zeitspanne der Fakten : | | | 04.1994 - 07.1994 |  | | Urteilperiode : | | | 05.05.2008 - 22.06.2009 |  | | Kategorien : | | | Genozid |  | | Letzte Änderung des Profils : | | | 13.11.2009 |
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