  |  |  |  | Felicien Kabuga |  | | Kontext : | Ruanda  | | Urteilsort : | IStGR (Ruanda)  | | Status : | Gesucht - Haftbefehl | | Statusbeschreibung : | Auf der Flucht | | Funktion : | Geschäftsmann, Präsident des Initiativkomitees vom RTLM sowie Präsident des FDN | |
|  | |  | Félicien Kabuga kam 1935 in Muniga, welches Teil der ruandischen Gemeinde Mukarange und des Bezirks Byumba ist, zur Welt. Der überaus reiche Geschäftsmann, der den Übernamen „le financier du génocide“ trug, pflegte Beziehungen zur Familie des Präsidenten Habyarimana. Er war Gründungsmitglied und Präsident des provisorischen Komitees des „Fonds de Défense Nationale“ (FDN; frei übersetzt: Landesverteidigungsfonds) sowie Präsident des Initiativkomitees des „Radio Télévision Libre des Mille Collines“ (RTLM). Kabuga war zudem der wichtigste Geld- und Kreditgeber des „Mouvement républicain national pour la démocratie et le développement“ (MRND, frei übersetzt: Nationale republikanische Bewegung für Demokratie und Entwicklung, Präsidentschaftspartei), der „Coalition pour la défense de la république“ (CDR, frei übersetzt: Koalition zur Verteidigung der Republik, Extremistenpartei der Hutus, welche sich von der MRND abspaltete und sich offen gegen die Tutsis bekannte) sowie deren Milizen. Dadurch konnte er entscheidenden Einfluss auf die genannten Organisationen und deren Mitglieder üben, mit eingeschlossen auf die Interahamwe (extremistische Hutumilizen).
Kabuga soll in der Zeit von Ende 1990 bis Juli 1994 an der Ausarbeitung eines Plans zur Auslöschung der Tutsis mitgewirkt haben. Dieser Plan sah unter anderem den Einsatz von Gewalt, die Ausbildung der Milizen in der Waffenanwendung, die Abgabe von Waffen an dieselben sowie das Erstellen von schwarzen Listen mit Personen, welche eliminiert werden sollten, vor. Kabuga habe insofern an der Ausführung dieses Plans mitgewirkt, als er Massaker organisiert, angeordnet sowie daran teilgenommen habe.
In der Zeit von April bis Juli 1994 hätten die Mitglieder der interimistischen Regierung sowie Kabuga durch ihre Funktionen, Äusserungen, Befehle und Anordnungen sowie durch ihre Handlungen und Unterlassungen eine Kontrolle auf die lokalen Behörden und die Interahamwe (extremistische Hutumilizen) ausgeübt. Die genannten Behörden sowie die Milizen haben in Absprache mit dem Militär ab dem 6. April 1994 in ganz Ruanda Massaker an den Tutsis sowie den gemässigten Hutus verübt. Kabuga habe von diesen Massakern Kenntnis gehabt und habe trotz der ihm zukommenden Autorität nichts getan, um diesen Einhalt zu gebieten.
Die Schaffung von Kommunikationsmitteln wie die Zeitung Kangura und RTLM, welches unter anderem von Kabuga gegründet und geleitet wurde, half entscheidend bei der Verbreitung der extremistischen Hutuideologie und deren Rhetorik, die sich durch ethnischen Hass und Gewalt auszeichnete, mit. Zudem trugen diese zur Indoktrinierung der ruandischen Bevölkerung bei. Anlässlich einer Versammlung zwecks Mittelbeschaffung zugunsten des RTLM habe Kabuga erklärt, dass RTLM das Radio der „Hutu Power“ sein solle. Kabuga soll die vom RTLM ausgestrahlten Sendungen verteidigt haben, als er im November 1993 und am 10. Februar 1994 vom Informationsminister aufgefordert wurde, keine weiteren Inhalte auszustrahlen, welche zum Hass zwischen den Ethnien beitragen würden.
Sowohl vor als auch während dem Genozid in Ruanda sollen Kabuga sowie weitere Personen an der Verteilung von Waffen an Milizen sowie an sorgfältig ausgewählte Zivilpersonen teilgenommen haben, in der Absicht, die Tutsibevölkerung sowie deren Komplizen auszulöschen.
Kabuga soll ab 1992 über seine Gesellschaft ETS-Kabuga im grossen Stil Macheten, Hacken und weitere landwirtschaftliche Arbeitsgeräte gekauft haben, im Wissen, dass jene während den Massakern als Waffen eingesetzt werden können. Zudem soll Kabuga die Interahamwe logistisch unterstützt haben, indem er sie mit Waffen und Uniformen belieferte und ihren Transport in Fahrzeugen seiner Gesellschaft sicherstellte.
Im März 1994 soll Kabuga 50'000 Macheten aus Kenia importiert haben.
Die MINUAR (Mission d’assistance des Nations Unies au Rwanda) wurde mit dem Ziel geschaffen, die friedliche Errichtung der Institutionen, welche durch die Abkommen von Arusha vorgesehen wurden, zu erleichtern. Gewisse extremistische Politiker nahmen diese militärische Einheit als Hindernis wahr und entwickelten eine Provokationsstrategie, welche gegen die belgischen Militärs gerichtet war, die das effizienteste und am besten ausgerüstete Kontingent der MINUAR stellte. Das Ziel dieser Strategie war, ihren Rückzug zu erwirken. Die anti-belgische Kampagne wurde unter anderem durch die Medien geführt, wie beispielsweise durch das von Kabuga gegründete und geleitete RTML sowie durch die Zeitung Kangura.
Am 25. April 1994 sollen sich im Bezirk Gisenyi Kabuga und andere geeinigt haben, den Fonds de Défense Nationale (FDN) zu schaffen, um der interimistischen Regierung Unterstützung bei der Bekämpfung der Tutsis und der moderaten Hutus zu bieten. Dieser Fonds soll errichtet worden sein, um Einkäufe von Waffen, Fahrzeugen sowie Uniformen für die Interahamwe und die Armee im ganzen Land zu tätigen. Kabuga wurde zum Präsidenten des provisorischen Komitees des FDN ernannt und war einer der Zeichnungsberechtigten der Bankkonten des Fonds. Am 20. Mai 1994 soll Kabuga die interimistische Regierung über die Schaffung des Fonds orientiert und in Bewirtschaftungs- und Verwendungsfragen beraten haben.
Im Juni 1994 sollen Kabuga und weitere Personen in Gisenyi ein Treffen abgehalten haben, anlässlich demselben Mitglieder des MRND Namen von Tutsis und moderaten Hutus bekannt gegeben haben sollen, welche im Bezirk Gisenyi Zuflucht gesucht hätten. Sie sollen eine Liste mit zu eliminierenden Personen zusammengestellt haben, welche sie anschliessend den Interahamwe übermittelt haben sollen.
Im Juni 1994 flüchtete Kabuga aus Ruanda angesichts des Vorstosses der Truppen der FPR (Front patriotique rwandais; Oppositionsbewegung, deren Mitglieder hauptsächlich Tutsiflüchtlinge waren und unter der Führung von Paul Kagame stand). Er flüchtete zunächst in die Schweiz und nachdem er des Landes verwiesen wurde, gelangte er nach Kinshasa (Demokratische Republik Kongo). Daraufhin soll er sich im kenianischen Nairobi niedergelassen haben. Bis heute konnte er nicht angehalten werden und vermochte jedem Verhaftungsversuch zu entkommen. |  | mehr... |  | Trial Watch möchte daran erinnern, dass jede von nationalen oder internationalen Behörden verfolgte oder angeklagte Person solange als unschuldig zu gelten hat, bis ein rechtskräftiger Schuldspruch vorliegt. |  |  |  | | Alias : | | | Faracean Kabuga, Idriss Sudi, Abachev Straton, Anathase Munyaruga, Oliver Rukundakuvuga |  | | Letztes mal Gesehen : | | | Kenya |  | | Kategorien : | | | Genozid Kriegsverbrechen Verbrechen gegen die Menschlichkeit |  | | Letzte Änderung des Profils : | | | 23.12.2009 |
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