Simon Bikindi wurde am 28. September 1954 in Rwerere in der ruandischen Präfektur Gisenyi geboren. Zur Zeit des hier beschriebenen Sachverhalts war er Komponist, Sänger und Leiter des Ballets Irindo. Er war zudem Beamter im Ministerium für Jugend und Sport und Mitglied des MRND (Mouvement Républicain National pour le Développement et la Démocratie; Nationale Republikanische Bewegung für Entwicklung und Demokratie).
Zu Beginn der 1990er-Jahre nahm Simon Bikindi angeblich an einer Medienkampagne teil, welche von der Regierung organisiert wurde, um Hass gegen die Tutsi zu schüren. Seine Beteiligung soll darin bestanden haben, Lieder zu komponieren und aufzuführen, welche die Interahamwe (MRND-Jugendgruppen) und die Zivilbevölkerung dazu aufforderten, Angehörige des Volkes der Tutsi zu töten. Seine Kompositionen wurden von Radio-Télévision Libre des Mille Collines (Freies Radio und Fernsehen der tausend Hügel) weit verbreitet.
Ab April 1994 soll Simon Bikindi aktiv an Massakern teilgenommen haben. Er soll Interahamwe-Milizen in der Präfektur Gisenyi rekrutiert und ausgebildet und ihre Führung uebernommen haben. Zudem ordnete er angeblich die Exekution gewisser Opfer selbst an.
Simon Bikindi wurde in Leiden in den Niederlanden am 12. Juli 2001 festgenommen und am 27. März 2002 in die Haftanstalt des Ruanda-Tribunals (International Criminal Tribunal for Rwanda; ICTR) in Arusha überführt.
Trial Watch möchte daran erinnern, dass jede von nationalen oder internationalen Behörden verfolgte oder angeklagte Person solange als unschuldig zu gelten hat, bis ein rechtskräftiger Schuldspruch vorliegt.