   |  |  |  | Tharcisse Muvunyi |  | | Kontext : | Ruanda  | | Urteilsort : | IStGR (Ruanda)  | | Status : | Laufender Prozess | | Statusbeschreibung : | Am 12. September 2006 durch das IStGR zu einer Haftstrafe von 25 Jahren wegen Völkermord verurteilt; die Berufungskammer hat am 29. August 2008 seine Haftstrafe aufgehoben und einen neuen Prozess betreff eines Anklagepunktes angeordnet | | Funktion : | Kommandanten der Unteroffiziersschule | |
|  | |  | Tharcisse Muvunyi wurde am 19. August 1953 in der Gemeinde Mukarange (Präfektur Byumba) geboren.
Vom 7. April 1994 bis zu seiner Flucht aus Rwanda, übte er die Funktion des Kommandanten der Unteroffiziersschule aus.
Oberstleutnant Muvunyi war in der Präfektur Butare der höchstrangige Militäroffizier, als solcher verantwortlich für die Sicherheitsleitung in den Präfekturen Butare und Gikongoro.
Am 19. April 1994, fand in Butare vor zahlreichem Publikum eine Feier zur Amtsübernahme des neuen Präfekten Sylvain Nsabimana (siehe "verbindungen") statt. Anlässlich dieser Feier hielt Präsident Théodore Sindikubwabo eine Hetzrede, in welcher er die Bevölkerung Butares offen dazu aufforderte, dem Beispiel der anderen Präfekturen zu folgen und die Massaker zu beginnen. Aufgrund ihrer Anwesenheit bei dieser Zeremonie, und da sie sich von den Deklarationen des Präsidenten der Republik nicht distanzierten, signalisierten – so die Anklagebehörde - Oberstleutnant Tharcisse Muvunyi, sowie weitere anwesende Persönlichkeiten, der Bevölkerung ihre Zustimmung zu den Massakern.
In der Folge dieses Besuchs des Präsidenten Sindikubwabo, berief Oberstleutnant Muvunyi, im Rahmen seiner de jure und de facto Autorität gegenüber den Offizieren und Soldaten der Offiziersschule, eine Versammlung ein. Gemäss der Anklage unterrichtete er in dieser Versammlung alle Offiziere und Unteroffiziere der Schule, dass die Wünsche des Präsidenten als auszuführende Befehle zu verstehen sein.
Bei zahlreichen weiteren Gelegenheiten habe er den neuen Präfekten unter dem Vorwand begleitet, die Lokalbevölkerung für die Verteidigung ihres Landes zu sensibilisieren, in Wahrheit jedoch um diese zur Begehung von Massakern an den Tutsis anzustiften.
Muvunyi soll auch direkt an der Beschaffung von Waffen, insbesondere Granaten, sowie von Transportmitteln beteiligt gewesen sein, und auf diese Weise die Begehung der Angriffe gegen Tutsis unterstützt haben.
Am, oder um den 24. April 1994, wurde eine Zuflucht suchende Gruppe von Schulkindern, in welcher sich auch aus der Rotkeuzmission Kacyiro (Kigali) evakuierte Waisenkinder befanden, von Soldaten angegriffen. Die Aufsichtsperson der Kinder bat die Offiziersschule um Hilfe, wobei sie persönlich mit Oberstleutnant Muvunyi sprach, welcher es abgelehnt habe, Hilfe angesichts der Massaker zukommen zu lassen.
Muvunyi, als Teil der militärischen Struktur, welche die Garantie der Sicherheit der Zivilisten zum Auftrag hatte, gewährte den Flüchtlingen diese Sicherheit nicht. Im Gegenteil, jedenfalls in der Mehrzahl der Fälle, hat Oberstleutnant Muvunyi „ unter anderem die Tötungen, die Verschleppungen und die Zerstörungen von Sachgütern durch die Interahamwe und die Militärs unterstützt, dazu angestiftet, erleichtert und/oder genehmigt“, gemäss der Anklage.
Am 30. April 1994 habe er die Anweisung gegeben, die sich im Konvent von Beneberika befindenden Flüchtlinge zu entfernen. 25 Personen wurde weggeführt, einige Kinder unter ihnen wurden niemals wieder gesehen.
Der ehemalige Offizier wird weiters verantwortlich gemacht für die Tötung von zwei Kirchenvätern des Gihindamuyauaklosters, für die Attacken gegen die Universität von Butare und dessen Universitätsspital, die Krankenambulanz in Matyazo, die Pfarrgemeinden von Ngoma, Kibeho und Nyumba, den Marktplatz im Sektor Kibilizi, die Einrichtung „Economat“ in der Gemeinde Ngoma, sowie die moslemischen Viertel der Gemeinde Ngoma.
An zahlreichen Orten in der Präfektur Butare wurden „ eine Vielzahl an Frauen und Mädchen vergewaltigt und wurden Opfer sexueller Aggression, oder sie wurden mit Gewalt weggebracht, bzw gezwungen sich an andere Orte zu begeben, wo sie vergewaltigt und Opfer sexueller Agressionen wurden; diese Vergewaltigungen und Gewalttaten wurden von der Interahamwemiliz und den Soldaten des Camps Ngoma begangen“, bringt die Anklage vor.
Gemäss der Anklage, waren diese Vergewaltigungen in der Mehrzahl der Fälle verschärft dadurch, dass sie gemeinschaftlich und mehrfach an jungfräulichen jungen Mädchen oder an Mädchen in der Gegenwart ihrer Mütter oder anderer Familienangehöriger begangen wurden. In vielen Fällen endeten die sexuellen Gewaltakte im Tod der Opfer.
In den meisten Fällen hat Muvunyi den Soldaten sowie Milizen die Angriffe direkt befohlen. Jedenfalls, aufgrund seiner Autoritätsposition und dem generellen Charakter der Massaker, wusste er oder hatte er genügend Anhaltspunkte um zu wissen, dass diese Massaker begangen wurden, trotzdem hat er keine Massnahmen getroffen um ihnen vorzubeugen, sie zu verhindern, oder die Verantwortlichen zu bestrafen, führt die Anklage weiter aus. |  | mehr... |  | Trial Watch möchte daran erinnern, dass jede von nationalen oder internationalen Behörden verfolgte oder angeklagte Person solange als unschuldig zu gelten hat, bis ein rechtskräftiger Schuldspruch vorliegt. |  |  |  | | Nationalität : | | | Rwanda |  | | Geburtsdatum : | | | 19.08.1953 |  | | Letztes mal Gesehen : | | | Arusha (Tanzanien) |  | | Zeitspanne der Fakten : | | | 06.04.1994 - 30.06.1994 |  | | Urteilperiode : | | | 28.02.2005 |  | | Kategorien : | | | Genozid Verbrechen gegen die Menschlichkeit |  | | Letzte Änderung des Profils : | | | 30.08.2008 |
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