   |  |  |  | Tharcisse Renzaho |  | | Kontext : | Ruanda  | | Urteilsort : | IStGR (Ruanda)  | | Status : | Verurteilt | | Statusbeschreibung : | Der Prozess begann am 8. Januar 2007; am 14. Juli 2009 des Voelkermordes sowie der Verbrechen gegen die Menschlichkeit fuer schuldig befunden und zu lebenslaenglicher Haft verurteilt | | Funktion : | Präfekt für Kigali-Stadt; Oberst der ruandischen Streitkräfte | |
|  | |  | Tharcisse Renzaho wurde 1944 im Sektor Gaseta, Gemeinde Kiarama, gelegen in der Präfektur Kibungo, in Ruanda, geboren.
Der Militäringenieur Tharcisse Renzaho wurde in Militärakademien in Deutschland, Frankreich und Belgien ausgebildet. 1990 begann er seine politische Karriere und wurde zum Präfekt für Kigali-Stadt ernannt. Gleichzeitig war er Präsident des zivilen Verteidigungskomitees für Kigali-Stadt. Faktisch und rechtlich erstreckte sich seine Autorität auf Bürgermeister, Berater des Sektors Gaseta, Verwaltungsbeamte, Gendarmen, Gemeindepolizei, Interahamwe, Milizen und bewaffnete Bürger. Renzaho war, in seiner Funktion als Oberst der ruandischen Streitkräfte (FAR), ein vorgesetzter Offizier, welcher über die ihm unterstellten Streitkräfte Kontrolle ausübte.
Gegen den 7. April 1994, und regelmässig danach, soll Tharcisse Renzaho anlässlich von Versammlungen sowie über den Radiosender Radio Ruanda Befehle an Militär, Gendarmen, Milizen, ortsansässige Bürger und demobilisierte Militärs gegeben haben, mit dem Inhalt, Strassensperren zu errichten und diese zu bewachen, um Tutsis zu identifizieren, abzufangen und zu töten.
Um den 9. April 1994 drangen Interahamwe-Milizen in Kanombe (Präfektur Kigali-Stadt) in die Häuser von Tutsis ein und töteten diese in Präsenz von Tharcisse Renzaho, der dies, in seiner Funktion als hoher Funktionär, gebilligt haben soll.
Gegen den 30. April 1994 soll Renzaho die Berater des Sektors Jean-Baptiste Rudasingwa und Celestin Sezibera entlassen haben, da diese sich den Tutsi-Massakern widersetzten. Er soll sie durch Berater ersetzt haben, welche den Massakern zustimmten.
Der Anklagebehörde zufolge hat Renzaho um den 18. April 1994, in Begleitung von Wenceslas Munyesyaka (siehe Links), die Inhaftierung von 40 Personen, zum überwiegenden Teil Tutsis, im Zentrum zum Studium der afrikanischen Sprachen (CELA) angeordnet. Am 22. April 1994, in Begleitung von Odette Nyirabagenzi und Angeline Mukandutiye, soll er befohlen haben, etwa 60 männliche Tutsis aus dem CELA zu entfernen und zu töten. In Begleitung dieser beiden Frauen habe er am 14. Juni 1994 die Tötung von etwa 60 jugendlichen Tutsis in der Kirche Saint Paul angeordnet, sowie am 17. Juni 1994 einen Angriff gegen die in der Kirche Saint Famille Schutzsuchenden, wo zahlreiche Tutsis den Tod fanden.
Gemäss der Anklage hat Renzaho mehrfach die Verteilung von Waffen angeordnet und an ihr teilgenommen.
Im Mai 1994 lieferte er zahlreiche Gewehre Kalachnikov an den Bichof Samuel Musabyimana (siehe "verbindungen"), welche durch Major Nyirahakizimana ausgehändigt wurden. Diese Gewehre wurden dann an die Milizen verteilt, welche sie zur Tötung von Tutsis einsetzten.
Zwischen April und Juni 1994 soll Renzaho Interahamwe-Milizen mit präzisen Anweisungen, bestimmte Personen zu töten, ausgesandt haben. Unter den Opfern befand sich unter anderem André Kameya, ein von der Interimregierung scharf kritisierter Journalist.
Von April bis Juli 1994 hat Tharcisse Renzaho den Interahamwe-Milizen durch die Ausgabe von Waffen, Gütern, Genehmigungen, Passierscheinen und Nahrung Unterstützung geleistet, schliesst die Anklage.
Anlässlich des Sturzes der Interimsregierung im Juli 1994 infolge des militärischen Sieges der Patriotischen Ruandischen Front flüchtete Tharcisse Renzaho ins Exil.
1997 entkam er einer auf seine Verhaftung gerichteten Aktion, welche die Fahnder des IStGHR gemeinsam mit der kenianischen Polizei durchführten. Im Dezember 2000 konnte er einer Operation des IStGHR entgehen, welche bestimmte ehemalige Offiziere zum Ziel hatte, die sich in Sambia versteckt hatten.
Schliesslich, am 26. September 2002, konnte Tharcisse Renzaho in der Demokratischen Republik Kongo verhaftet werden. Er wurde am 29. September 2002 dem IStGHR überstellt. |  | mehr... |  | Trial Watch möchte daran erinnern, dass jede von nationalen oder internationalen Behörden verfolgte oder angeklagte Person solange als unschuldig zu gelten hat, bis ein rechtskräftiger Schuldspruch vorliegt. |  |  |  | | Letztes mal Gesehen : | | | Arusha, Tanzania |  | | Zeitspanne der Fakten : | | | 01.01.1994 - 31.07.1994 |  | | Urteilperiode : | | | 08.01.2007 |  | | Kategorien : | | | Genozid Kriegsverbrechen Verbrechen gegen die Menschlichkeit |  | | Letzte Änderung des Profils : | | | 14.12.2009 |
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