    |  |  |  | Saddam Hussein al-Majid al-Tikriti |  | | Kontext : | Irak  | | Urteilsort : | Irak-Tribunal  | | Status : | Verurteilt | | Statusbeschreibung : | - Erster Prozess vor dem Irakischen Spezialgericht (Dujail): Am 5. November 2006 zum Tod durch Erhängen verurteilt; Strafe bestätigt am 26. Dezember 2006 durch Berufungskammer; am 30. Dezember hingerichtet
-Zweiter Prozess vor dem Irakischen Spezialgericht (Anfal): Prozessbeginn 21. August 2006 | | Funktion : | Präsident des Irak | |
|  | |  | Saddam Hussein wurde am 28. April 1937 im armen Bauerndorf Tikrit im Irak geboren, wo er von seiner verwitweten Mutter aufgezogen wurde. 1955 zog er in die benachbarte Stadt Baghdad, wo sich an der arabisch-nationalistischen Bewegung beteiligte.
Ein Jahr nachdem Saddam Hussein der Ba'ath-Partei beigetreten war, wurde Faisal II. von einer Gruppe von Armeeoffizieren unter der Leitung von General Karim Qassim gestürzt. Die Ba'athisten opponierten gegen das neue Regime, und 1959 war Saddam Hussein in den versuchten Mord an Premierminister Qassim involviert. Hussein erlitt einen Schuss ins Bein, konnte aber nach Syrien fliehen, von wo er später nach Ägypten weiterzog. Er wurde in absentia zum Tode verurteilt. Im Exil studierte er an der juristischen Fakultät der Universität Kairo.
1963 gelangte eine Gruppe von Armeeoffizieren, darunter Verbündete der Ba'ath, durch einen Putsch an die Macht. Das neue Regime, zerrissen von inneren Machtkämpfen, wurde jedoch nach sieben bis acht Monaten wieder abgesetzt.
Hussein kehrte nach Irak zurück, wurde aber 1964 verhaftet, nachdem eine anti-Ba'ath-Gruppe unter der Führung von Abdul Rahman Arif an die Macht gelangt war. Er brach 1967 aus dem Gefängnis aus und wurde zu einem führenden Mitglied seiner Partei.
Im Juli 1968 kamen die Ba'athisten unter General Ahmed Hassan al-Bakr, ein Verwandter Husseins aus Tikrit, wieder an die Macht. Die Führung der Ba'ath-Partei ernannte Hussein zum Vizevorsitzenden des Revolutionären Kommandorates und zum Vizepräsidenten des Irak.
In seiner neuen Position konzentrierte sich Hussein darauf, die inländischen Probleme des Irak zu lösen. Er nationalisierte die Ölindustrie des Landes, die Hauptquelle für den Wohlstand des Irak. Indem er von der Hausse der Ölpreise in den frühen 1970er Jahren profitierte, setzte Hussein ein Wirtschaftsprogramm um, das neue Fabriken, Energie für alle sowie unentgeltliche Spitäler und Schulen umfasste.
1979 begann al-Bakr, Verträge mit Syrien, das ebenfalls von Ba'athisten geführt wurde, abzuschliessen, die zur Vereinigung der beiden Länder führen sollten. Der Syrische Präsident Hafez al-Assad sollte Vizeführer der Union werden, was Hussein in der Vergessenheit hätte verschwinden lassen. Doch bevor diese Pläne Wirklichkeit wurden, trat der kränkliche al-Bakr am 16. Juli 1979 zurück.
Hussein übernahm formell die Präsidentschaft über den Irak.
Kurz darauf, am 22. Juli 1979, berief er eine Versammlung der Führer der Ba'ath-Partei ein. Während der Versammlung, die auf seinen Befehl auf Video aufgezeichnet wurde, behauptete Hussein, es gebe Spione und Verschwörer in der Ba'ath-Partei. Er las eine Liste von Personen vor, die ihm angeblich untreu seien. Diese Mitglieder wurden als "unloyal" bezeichnet, und einer nach dem anderen aus dem Raum geführt und einem Exekutionskommando übergeben. Nachdem die Liste verlesen war, gratulierte Hussein den Verbliebenen für ihre bisherige und zukünftige Loyalität.
In demselben Jahr führte er die arabische Opposition gegen die Übereinkunft von Camp David zwischen Israel und Ägypten an.
Nachdem Khomeini im Iran an die Macht gekommen war, flammten über zehn Monate hinweg immer wieder Scharmützel zwischen Irak und dem revolutionären Iran auf. Streitpunkt war die Souveränität über die umstrittene Wasserstrasse Shatt-el-Arab, die zwischen den beiden Ländern liegt. Am 22. September 1980 brach zwischen Irak und Iran ein offener bewaffneter Konflikt aus. Der Vorwand für den Krieg war die territoriale Streitigkeit, aber mit grösserer Wahrscheinlichkeit war der Krieg ein Versuch Husseins, mit Unterstützung der USA und der Sowjetunion ein Bollwerk gegen die Expansion der radikalen Revolution im Iranischen Stil zu bilden.
Während des Krieges verwendete Irak mehrfach chemische Waffen gegen Iranische Truppen und kurdische Separatisten.
Auf Befehl Husseins, einen kurdischen Aufstand zu unterbinden, griffen am 16. März 1988 Irakische Truppen die kurdische Stadt Halabjah mit einem Gemisch von Gift- und Nervengas an. 5'000 Menschen, vorwiegend Frauen und Kinder, wurden getötet. Abweichende Meinungen bestreiten die Zahl der Toten und machen geltend, dass sich der Vorfall im Verlauf der Feindseligkeiten zwischen Irak und Iran zutrug, dass auf beiden Seiten chemische Waffen verwendet worden seien, und dass eine bedeutende Anzahl der Tode durch Iranische Waffen verursacht worden sei.
Hussein suchte finanzielle und politische Unterstützung bei anderen arabischen Staaten. Die Iraner, die hofften, Husseins säkulare Regierung zu stürzen und im Irak eine shi'itische Revolution auszulösen, lehnten einen Waffenstillstand bis 1988 ab.
Der blutige, achtjährige Krieg endete in einem Patt. Es gab hundertausende von Toten. Auf beiden Seiten starben bis zu 1,7 Millionen Menschen. Die Wirtschaft in beiden Ländern, zuvor gesund und im Wachstum begriffen, war zusammengebrochen.
Hussein sah sich ausserdem mit Kriegschulden von ungefähr 75 Milliarden US$ konfrontiert. Er suchte wieder verzweifelt um Gelder, diesmal für den Wiederaufbau nach dem Krieg.
Hussein übte Druck auf Kuweit aus, damit dieses ihm die Kriegsschuld von 30 Milliarden US$ erlasse.
Er argumentierte, dass der Krieg mit Iran nicht nur im Interesse von Irak, sondern auch anderer arabischer Golfstaaten geführt worden sei, und dass deshalb ein Teil der Irakischen Schulden erlassen werden sollte. Vielleicht habe Husseins Krieg Kuweit vor der drohenden Iranischen Herrschaft gerettet.
Kuweit weigerte sich, die Ölpreise anzuheben und leitete weiterhin die Opposition der OPEC gegen die Verkürzung der Ölproduktion, die von Hussein verlangt worden war. Später reaktivierte Kuweit eine Anzahl von Ölfeldern in umstrittenem Gebiet zwischen Irak und Kuweit.
Es schwelte auch noch eine alte Streitigkeit über den Kuweitischen Zugang zum Meer, der angeblich Irak gehörte.
Als sich die Beziehungen zwischen Irak und Kuweit rapide verschlechterten, erhielt Hussein widersprüchliche Informationen darüber, wie die USA auf die Aussicht auf eine Invasion reagieren würden.
Am 2. August 1990 löste Hussein eine internationale Krise aus, als er in Kuweit eindrang und es annektierte. Die Annektion von Kuweit gab dem Irak, zusammen mit seinen eigenen beachtlichen Ölreserven, die Kontrolle über 20 Prozent der Reserven am Persischen Golf.
Die Kooperation zwischen den USA und der Sowjetunion ermöglichte die Adoption von Resolutionen im UNO-Sicherheitsrat, die dem Irak ein Ultimatum zum Verlassen Kuweits stellten und die Anwendung von bewaffneter Gewalt authorisierten für den Fall, dass Hussein den vorgebenen Zeitplan nicht einhalte.
Hussein ignorierte das Ultimatum des Sicherheitsrates. Mit Authorisation durch den Sicherheitsrat begann am 16. Januar 1991 eine von den USA geführte Koalition mit Raketenangriffen gegen den Irak. Die USA und eine hastig für den Golfkrieg zusammengetrommelte Gruppe alliierter Staaten, darunter Ägypten, Syrien und Saudi-Arabien, vertrieben Husseins Armee im Januar 1991 aus Kuweit.
Rund 175'000 Iraker wurden als Kriegsgefangene genommen, und die Gefallenen wurden auf über 85'000 geschätzt.
Die ethnischen und reliösen Spaltungen im Irak und die Brutalität des Krieges legten die Basis für Rebellionen im Nachkriegs-Irak. Nach dem Krieg bedrohten soziale und ethnische Unruhen unter shi'itischen Muslimen, Kurden und dissidenten Armeeeinheiten die Stabilität von Husseins Regime. Es kam zu Aufständen im kurdischen Norden, im shi'itischen Süden und im Innern des Landes, die jedoch unbarmherzig niedergeschlagen wurden.
Husseins Machtbasis, bestehend aus Tikriter Klan-Mitgliedern, Familienangehörigen und anderen Unterstützern, war nach dem Krieg und in den kommenden Jahren gespalten, was das Regime zunehmend repressiver und willkürlicher werden liess. Die Repression im Inland wurde immer schlimmer. Husseins Söhne, Uday Hussein und Qusay Hussein akkumulierten immer mehr Macht und übten ihre eigene private Schreckensherrschaft aus. Sie hatten wahrscheinlich ihre Hände massgeblich im Spiel, als sich zwei Schwiegersöhne Husseins (Hussein Kamel and Saddam Kamel), die hohe Positionen in der Irakischen Armee besetzt hatten, nach Jordanien absetzten. Sie wurden beide getötet, als sie im folgenden Februar in den Irak zurückkehrten.
Hussein gab sich zunehmend als strenggläubiger Muslim, um die konservativen religiösen Kreise in der Gesellschaft für sich zu gewinnen. Einige Elemente der Scharia wurden wieder eingeführt (wie z.B. das Dekret aus dem Jahr 2001, das die Todesstrafe für Homosexualität und andere sexuelle Verbrechen vorsah), und die religiöse Wendung "Allahu akbar" ("Gott ist gross"), in Husseins Handschrift, wurde in die Nationalflagge integriert.
Das politische Ausgangslage in den USA änderte nach den Attacken vom 11. September 2001. Anlässlich seiner Ansprache im Kongress zur Lage der Nation im Januar 2002 sprach George W. Bush (Sohn von George H.W. Bush) von einer "Achse des Bösen", die Iran, Nordkorea und den Irak umfasste.
Bush behauptete, das Irakische Regime habe über mehr als ein Jahrzehnt geplant, Anthrax, Nervengas und Atomwaffen zu entwickeln. Es lege eine offene Feindseligkeit gegenüber den USA an den Tag und unterstütze den Terrorismus.
Im März 2003, nach Monaten der Verhandlung, initiierten die USA und Grossbritannien einen Krieg gegen den Irak ohne Authorisation durch den UNO-Sicherheitsrat.
Nach vier Wochen hatten die Boden- und Lufttruppen der Koalition Baghdad eingekesselt und erobert. Husseins Heimatstadt Tikrit fiel ohne grossen Widerstand, und das Pentagon erklärte die entscheidenden Gefechte für beendet.
Aufgrund eines Hinweises nahmen US-Truppen Saddam Hussein am 13. Dezember 2003 fest. Er hatte sich in einem Erdloch auf dem Gelände eines Bauernhofes ausserhalb von Tikrit versteckt. |  | mehr... |  | Trial Watch möchte daran erinnern, dass jede von nationalen oder internationalen Behörden verfolgte oder angeklagte Person solange als unschuldig zu gelten hat, bis ein rechtskräftiger Schuldspruch vorliegt. |  |  |  | | Nationalität : | | | Iraq |  | | Geburtsdatum : | | | 28.04.1937 |  | | Letztes mal Gesehen : | | | Baghdad (Irak) |  | | Zeitspanne der Fakten : | | | 16.07.1979 - 13.12.2003 |  | | Urteilperiode : | | | 19.10.2005 |  | | Kategorien : | | | Genozid Kriegsverbrechen Verbrechen gegen die Menschlichkeit |  | | Letzte Änderung des Profils : | | | 24.06.2007 |
|  |
 | |  |
|
|