   |  |  |  | Théoneste Bagosora |  | | Kontext : | Ruanda  | | Urteilsort : | IStGR (Ruanda)  | | Status : | Laufender Prozess | | Statusbeschreibung : | Laufender Prozess vor der ersten Kammer der ersten Instanz des Internationalen Tribunals für Ruanda (ICTR) | | Funktion : | Ehemaliger Kabinettsdirektor des ruandischen Verteidigungsministers, ehemaliger Kommandant des Militärlagers von Kanombe | |
|  | |  | Théoneste Bagosora wurde am 16. August 1941 in der Gemeinde Giciye (Präfektur Gisenyi) geboren.
1964 schloss Bagosora die Offiziersschule Kigali als Leutnant ab. Er besass ebenfalls das Diplom der höheren militärischen Studien der französischen Militärschule. Er besetzte erst das Amt als zweiter Kommandant der höheren militärischen Schule von Kigali und später das Amt als Kommandant des Militärlagers von Kanombe, bevor er im Juni 1992 zum Direktor des Kabinetts des Verteidigungsministers ernannt wurde. Obwohl er von der ruandischen Armee am 23. September 1993 in den Ruhestand versetzt wurde, führte Bagosora sein Amt als Direktor des Kabinetts des Verteidigungsministers weiter. Nach dem Abgang des Verteidigungsministers James Gasana am 19. Juli 1993 übernahm er einen Grossteil der zu verwaltenden alltäglichen Geschäfte im Ministerium. Er hatte das Amt noch am 6. April 1994 inne und verliess es erst, als er im Juli 1994 das Land verliess.
Bagosora wurde als „Kopf des Völkermordes“ angesehen. Er soll bereits im Jahre 1990 mit der Ausarbeitung eines Planes begonnen haben, der die Ausrottung der Zivilbevölkerung der Tutsi und das Beseitigen der Mitglieder der Opposition bezweckte, um seine Macht aufrechtzuerhalten. Gemäss der Anklageschrift beinhaltete dieser Plan den Rückgriff auf rassistische Tiraden und Gewaltexzesse, die Ausbildung und Bewaffnung von Milizen sowie die Erstellung von Listen von zu elimierenden Personen. Bagosora und seine Begleiter sollen bei der Ausführung dieses Planes die Massaker an der Bevölkerung der Tutsi und der gemässigten Hutu angeordnet und daran teilgenommen haben.
Am 4. Dezember 1991 errichtete Präsident Habyarimana eine militärische Kommission, die mit der Beantwortung folgender Fragen beauftragt wurde: « Was muss getan werden, um den Feind militärisch, medientechnisch und politisch zu bezwingen?». Théoneste Bagosora war Vorsitzender dieser Kommission. Der Bericht dieser Kommission war nichts anderes als eine Hasstirade, indem er die «Tutsi des Landes, die mit dem jetzigen Regime unzufriedenen Hutu, die mit Tutsi-Frauen verheirateten Ausländer,… » als Feinde definierte. Dieser Bericht wurde massenweise an die Streitkräfte im ganzen Land verteilt. Das Dokument und die Art und Weise, wie die höheren Offiziere davon Gebrauch gemacht haben, sollen Hass und ethnische Gewaltsamkeit begünstigt und gefördert haben.
Schon 1993 soll Bagosora verschiedentlich öffentlich erklärt haben, dass die Lösung für den Krieg sei, das Land in die Apokalypse zu treiben, um alle Tutsi zu beseitigen und folglich den dauerhaften Frieden sicherzustellen.
Bagosora war ein inbrünstiger Gegner der Abkommen von Arusha (unterschrieben im August 1993) und soll den Verhandlungstisch mit dem Kommentar verlassen haben, er kehre nach Ruanda zurück, „um die Apokalypse vorzubereiten“. Nachher soll er die Soldaten ermuntert haben, die Abkommen abzulehnen und ihren Unmut darüber zu bekunden. Er soll sogar öffentlich erklärt haben, dass eine Wiederaufnahme der Feindseligkeiten durch die FPR (Front Patriotique Rwandais) oder die Umsetzung der Abkommen von Arusha unweigerlich die Ausrottung der Tutsi nach sich ziehen werde. Diese Absicht macht ihn unter anderem zu einem der Hauptverdächtigen des Angriffes, der dem burundischen und ruandischen Präsidenten am 6. April 1994 das Leben kostete und der den Beginn des Völkermordes kennzeichnete.
Seit Anfang 1993 vertrieb Bagosora Waffen und liess Waffen an Milizsoldaten und an bestimmte Mitglieder vertreiben, die sorgfältig aus der Zivilbevölkerung ausgewählt wurden, um die Bevölkerung der Tutsi zu vernichten und ihre Komplizen zu beseitigen.
Im Jahre 1992 soll Bagosora anlässlich eines Treffens von zwei Führungskräften verlangt haben, dass sie eine Liste erstellen von denjenigen Personen, die als Feinde und Komplizen identifiziert worden waren. Vom 7. April bis Ende Juli 1994 sollen diese Listen den Soldaten und der Interahamwe (radikale Milizsoldaten) geholfen haben, die Massaker an den Mitgliedern der Bevölkerung der Tutsi und der gemässigten Hutu zu begehen.
Nach dem Angriff vom 6. April 1994, der den Präsidenten von Burundi und Ruanda das Leben gekostet hatte, bekundete Bagosora verschiedentlich den Willen, die Macht mit Hilfe anderer Offiziere an sich zu reissen. Da sich einige Offiziere aber widersetzten, begnügte er sich schliesslich damit, eine Übergangsregierung aufzustellen, die er mit Führern der nationalen republikanischen Bewegung für Entwicklung (Mouvement Républicain National pour le Développement) und mit Flügeln anderer politischen Parteien, genannt „power“, beherrschte. Diese Übergangsregierung sollte die Fortsetzung der Massaker unterstützen und fördern. Bagosora weigerte sich mehrmals, den Premierminister, Agathe Uwilingiyimana (getötet durch Mitglieder der ruandischen Armee am 7. April), um Rat zu fragen und die Abkommen von Arusha einzuhalten. Er stellte sich mehreren ausländischen Gesprächspartnern (unter anderem Vertretern der UNO und der Vereinigten Staaten) als Ansprechpartner vor.
Neben der Planung und Vorbereitung der Massenmorde, die nach dem 7. April 1994 begangen wurde, soll Bagosora auch bei deren Abwicklung eine zentrale Rolle gespielt haben. Bagosora soll zu den Befehlsinstanzen gehört haben, unter deren Befehlen und Weisungen die Milizionäre und Soldaten gehandelt haben.
Am Morgen des 7. April soll Bagosora persönlich der Interahamwe-Miliz von Rennera den Befehl erteilt haben, mit der Vernichtung der Zivilbevölkerung der Tutsi zu beginnen. Noch am selben Tag soll er Major Ntabakuze (Kommandant des Bataillons des Para-Kommandos), Major Nzuwonemeye (Kommandant des Bataillons der Aufklärer - siehe "verbindungen") und Oberstleutnant Nkundiye (ehemaliger Kommandant der Präsidentengarde) befohlen haben, mit der Massentötung zu beginnen. Ebenfalls soll er Abteilungen des Militärs (darunter auch Einheiten der Präsidentengarde und des Bataillons des Para-Kommandos) befohlen haben, die gezielte Tötungen der in einer Liste aufgeführten Personen vorzunehmen.
An demselben Tag sollen Radiostationen eine Mitteilung von Bagosora ausgestrahlt haben, welche die Bevölkerung dazu aufgefordert hatte, zuhause zu bleiben und auf neue Anweisungen zu warten. Diese Mitteilung soll den Beseitigungsprozess der Bevölkerung der Tutsi und der gemässigten Hutu durch die Soldaten und Milizionäre vereinfacht haben.
Am 11. April 1994 umzingelten Soldaten (darunter Einheiten der Präsidentengarde und der Interahamwe) die Ecole Technique Officielle, um zahlreiche Tutsi, die sich dorthin geflüchtet hatten, herauszuholen. Bagosora soll sich zur der gegebenen Zeit an Ort befunden haben. Nach einem Zwangsmarsch von 2 Kilometern wurden die Schutzsuchenden von Soldaten und Milizionären niedergemetzelt.
Von April bis Juli 1994 nahm Bagosora an täglichen Treffen mit Offizieren der Armeeführung teil, an denen sie über die begangenen Massaker gegen die Zivilbevölkerung der Tutsi informiert wurden. Keiner soll etwas unternommen haben, um die Massentötung zu stoppen. Sie sollen sich kategorisch geweigert haben, in das Geschehen einzugreifen.
Im April 1994 soll Bagosora einen Geldtransfer von der Nationalbank in Kigali nach Gitarama durch das Bataillon der Aufklärer angeordnet haben. Er soll ausserdem Waffenkäufe (unter anderem von Südafrika) im Namen und auf Rechnung der Regierung ausgehandelt haben. Nach seiner Flucht im Sommer 1994 soll er weiterhin quer durch Afrika gereist sein, um Waffen zu besorgen und so den Genozid voranzutreiben.
Bagosora wurde als „Kopf des Genozids“ angesehen. Er wurde angeklagt der Mitwirkung an der Planung, Vorbereitung und der Ausführung eines Planes, der die Begehung einer beträchtlichen Anzahl der verübten Gräueltaten während des Völkermordes zuliess. Diese Verbrechen sollen von ihm selbst oder von anderen Personen begangen worden sein, denen er geholfen haben soll oder aber durch seine Unterordneten. Er soll folglich von den Verbrechen Kenntnis gehabt oder ihnen zugestimmt haben.
Bagosora wohnte vom Juli 1995 bis zu seiner Festnahme am 9. März 1996 in Yaoundé. |  | mehr... |  | Trial Watch möchte daran erinnern, dass jede von nationalen oder internationalen Behörden verfolgte oder angeklagte Person solange als unschuldig zu gelten hat, bis ein rechtskräftiger Schuldspruch vorliegt. |  |  |  | | Nationalität : | | | Rwanda |  | | Geburtsdatum : | | | 16.08.1941 |  | | Letztes mal Gesehen : | | | Arusha (Tanzanien) |  | | Zeitspanne der Fakten : | | | 01.01.1994 - 12.12.1994 |  | | Urteilperiode : | | | 02.04.2002 |  | | Kategorien : | | | Genozid Kriegsverbrechen Verbrechen gegen die Menschlichkeit |  | | Letzte Änderung des Profils : | | | 27.11.2007 |
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